HANDY: Prepaid telefonieren in Thailand



Jan 2007 | Rubrik: Ratgeber Thailand

Mit DTAC & Co. bleiben Sie während des Urlaubs erreichbar. Und wenn Sie mögen, rasen Sie mit Hochgeschwindigkeits-GPRS über die Datenautobahn.

Zugegeben, das Handy mit in den Tropen-Urlaub zu nehmen, mag für viele doch zu weit gehen: Es ist schließlich der sauerverdiente Urlaub, wer will sich da mit alltäglichen Anrufen und horrenden Roaming-Gebühren herumschlagen? Wem es schon zuhause nicht gelingt, das Handy einfach mal auszuschalten, will zumindest im Urlaub nicht erreichbar bleiben: Entspannung ist angesagt und die Urlaubskasse dank Hochsaison ohnehin schon strapaziert. Außerdem: wer weiß schon, ob es überhaupt ein ordentliches Handynetz gibt an diesem entlegenen Fleck der Erde – und ob mein Telefon von zuhause dort überhaupt funktioniert…?

Handy in Bangkok

Überlegungen, die vor allem eines zeigen: Dieser Urlauber reist zum ersten Mal nach Asien. Denn gerade in der Digi-Boom Metropole Bangkok zeigt sich ganz alltäglich, was eine Umfrage in der Region kürzlich erkannte: Knapp 70 Prozent der Thais behaupten, sie könnten ohne Handy gar nicht mehr leben. Die Hälfte der 32 Millionen Nutzer führt es stets bei sich, hat es sogar nachts im Schlaf neben sich liegen und gibt zu, das Mobiltelefon auch schon auf der Toilette benutzt zu haben. Dass zwei Drittel aller Mobiltelefonierer in Thailand sogar lieber ihr Handy nehmen, auch wenn ein Festanschluss zur Verfügung steht, wird von einem Land, dass nicht gerade zu den reichsten der Welt gehört kaum erwartet – macht aber durchaus Sinn: Im ehemaligen Siam, in dem der Großteil der Bevölkerung oft bis heute noch keine Telefonleitung in ihrem Haus oder gar Dorf zur Verfügung hat, überholt der Handyboom die Ausweitung des Telefonnetzes in Rekordtempo. Der Wettbewerb der Anbieter führte von Beginn an zu einem Preiskampf, der die Mobil-Gebühren stets konkurrenzfähig und die Zahl der potentiellen Kunden groß hielt.

MODE-ACCESSOIRE
Dass es seit wenigen Monaten in Deutschland mit 82,2 Millionen erstmals mehr Mobilfunkverträge als Einwohner gibt, verdanken wir vor allem dem Trend zum Zweithandy.
Und dennoch haben fast zwei Drittel von uns dazu noch einen Festnetzanschluss – eine bereits abnehmende Zahl. Was Deutschland neuerdings sozusagen zu einem Schwellenland in Sachen mobiler Kommunikation macht: Während ein Viertel aller Deutschen mit Festnetz gar kein Handy besitzt, ist es in vielen Ländern der EU wie etwa Portugal oder Lettland normal, zwar ein Handy, aber kein Schnurtelefon zuhause zu haben.

So ähnlich wie in Thailand also, wo das Handy als Symbol für Lebensqualität weit mehr ist als nur ein Telefon. In einem Land, dessen Bevölkerung das Konzept “Understatement” völlig fremd ist, ordnet das Mobiltelefon seinen Träger in die richtige Gesellschaftsstufe ein. Das wissen auch die Hersteller und Anbieter, die etwa mit der Verbindung von Nokia und Dior vor fünf Jahren Marketinggeschichte schrieben: Das neue Handy wurde in Verbindung mit einer Fashionshow zum Modeaccessoire, moderne Technologie zum Fashion-Objekt und spätestens jetzt zum Alltagsgegenstand. Die Methode hat sich erhalten, gerade hat Motorola sein neues Telefon in Bangkoks hippster Luxus-Mall präsentiert – für die Presse-Fotografen halten die Marketingleute das gute Stück vor das Schulterblatt- Tattoo des Models in Abendkleid. Selbstverständlich ist das Telefon auch in der Dolce & Gabbana Edition erhältlich, man hat also offensichtlich Interesse daran, das Handy auch als Statussymbol am Leben zu erhalten.

SCHLUSS MACHEN PER SMS
Die Straßen Bangkoks spiegeln die Entwicklung wieder, überall wird aus dem Handgelenk telefoniert, getippt und fotografiert. Kein seltener Anblick sind selbst die so genannten Ear-Pieces, die wie ein Kopfhörer ans Ohr geklemmt werden und dem Sprecher Handfreiheit garantieren. Während so vermeintlich Schizophrene, vertieft im Selbstgespräch, im deutschen Kaufhaus noch durchaus seltsame Blicke ernten, sind sie aus den Malls und Geschäftsvierteln der thailändischen Hauptstadt nicht mehr wegzudenken. Im Land des Lächelns sind aber auch SMS, Klingeltöne und Telespiele am Handy ein Renner. Trotzdem geben fast achtzig Prozent der Nutzer an, sie seien mit ihrem Anbieter unzufrieden: Immer öfter kommt es vor, dass die Netwerke vor allem in der Stadt überlastet sind.

Handy in Bangkok

Die Technologie bringt trotz – oder gerade wegen der breiten Akzeptanz auch neue Probleme mit sich: Neben einer steigenden Privatverschuldung fühlt sich in Asien zwei Drittel der Bevölkerung durch die fehlenden Manieren der Mobiltelefonierer belästigt: Laute Telefonate in der Öffentlichkeit und das Telefonieren im Kino sind in Thailand die meistgenannten Probleme. Sicher, auch in Deutschland kein unbekanntes Phänomen, doch ist es in Asien alles andere als üblich, sich bei seinem Banknachbarn zu beschweren oder ihm gar zur Unterlassung aufzufordern.

Die Vermeidung jeglicher persönlicher Konfrontation steigert den Erfolg des Handys in Asien natürlich zudem: 12 Prozent haben bereits per SMS ihre Liebesbeziehung beendet. Offenbar sehen auch die Hersteller in Sachen Etiquette Handlungsbedarf: Motorola hat in den größten Kinos Bangkoks in populären Aufklärungsspots auf das Problem hingewiesen: Dort sieht man eine Beerdigungsgesellschaft, die durch die fröhliche Geburtstagsmelodie eines Handys in ihrer Trauer unterbrochen wird.

NEUE NUMMERN FÜR MOBILE
Die rasante Zunahme an Mobilfunkverträgen hat in Thailand zu einer Reform des Nummernsystems geführt. Am 1. September 2006 wurden sämtliche Vorwahlen in die Handynetze um die Ziffer Acht ergänzt. Die Regel ist einfach und gilt ausschließlich für Mobilverträge – Festanschlüsse bleiben wie gehabt.
So werden aus den Vorwahlen 01-, 06- oder 09- nun 081-, 086- oder 089-. Ein kleines Dilemma für so manchen Handynutzer, der viel Geld in einem der vielen “Mobile Marts” des Landes bezahlt hat, um eine besonders eingängige oder verheißungsvolle Nummer zu erstehen – oft nach den Anweisungen eines Mönches oder Wahrsagers. Auch wenn uns kein Verkäufer der zwischen 16 und 600 Euro teuren Nummern erhöhte Absatzzahlen bestätigen wollte, herrscht ein paar Türen weiter reger Andrang bei den Netzbetreibern: Sie bieten, ganz dem Image der digitalen Metropole entsprechend, einen kostenlosen Update-Service an. An eigens aufgestellten Computerterminals fügen Mitarbeiter mit ein paar Mausklicks jeder Nummer im Telefonbuch des wartenden Kunden eine Acht an der richtigen Stelle hinzu.

DAS HANDY IM URLAUB
Doch wie ist es nun mit dem deutschen Handy in Thailand? Generell ist das System das gleiche wie in Europa und ein Handy, das mit den gängigen Anbietern funktioniert, kann auch in Thailand problemlos benutzt werden. So mancher Tourist macht sich aber die günstigen Preise und Mehrwertsteuererstattung zunutze und ersteht gleich sein neues Wunschhandy in Bangkok. Auch gebrauchte Modelle sind für 20-40 Euro massenweise erhältlich, das größte Angebot gibt es auf einer gesamten Etage im MBK-Einkaufszentrum am Siam Square. Eine gute Idee ist es auch, seine deutsche SIM an einem sicheren Ort zuhause zu lassen – vorher aber bitte daran denken, die wichtigsten Nummern in den Telefonspeicher oder auf einen Notizzettel zu kopieren!

Währen sich ein Roaming-Service für Geschäftsleute lohnen mag, ist er ohne Frage zu teuer wenn es um eine private Nutzung des Handys geht. Viele Urlauber in Thailand haben längst erkannt, dass es sich trotzdem lohnt, den eigenen “Knochen” mitzubringen: Schon für zwei Euro Anmeldegebühr lässt sich fast überall eine Prepaid-Karte erstehen, mit der man ohne weitere Anmeldung unschlagbar günstig aus dem weit gespannten Thai-Netzwerk nach Hause telefonieren kann. Eine Handykarte mit zehn Euro Guthaben reicht immerhin aus, um den Daheimgebliebenen eine Stunde lang alle Details des Sonnenuntergangs am Puderzuckerstrand zu beschreiben. Doch auch für Gruppenreisende die sich trotz unterschiedlicher Tagespläne nicht verlieren wollen, bietet das Einschieben einer thailändischen SIM-Karte die gewohnten Vorteile und es wird schwer fallen, das Guthaben der Karte mit Gesprächen oder SMS-Nachrichten von Handy zu Handy merklich zu belasten. Wer es noch billiger mag, sei auf die in Thailand allgegenwärtigen Internetcafes hingewiesen, selbstverständlich ausgestattet mit Kamera und Headset: Mit wenigen Klicks ist so etwa über Skype ein Anruf ins deutsche Festnetz mit weniger als zwei Cent pro Minute die preisgünstigste Variante. Nur das Badetuch muss leider draußen bleiben.

Text & Fotos: Alexander Heitkamp

Tags: , , , , ,


Comments are closed.

;